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Gemeinsam gedenken: Buchbesprechung zu „Sweet Occupation“ von Lizzie Doron

Es ist ein emotionaler und widersprüchlicher Einstieg. Das Buch fängt mit dem Vorabend des Gedenktages an, dem Tag der Erinnerung – Remembrance Day, Yom HaSikkaron – mit der Begegnung mit einem Palästinenser, bei der Abholung von gutem arabischen Essen, gekauft für die Party am folgenden israelischen Unabhängigkeitstag, gegenüber dem Eingang zur Gedenkveranstaltung der Friedenskämpfer. Das hat mich natürlich elektrisiert. In meiner Arbeit als Friedens- und Konfliktberater spielten die Friedenskämpfer und die Gedenkveranstaltung eine wichtige Rolle.

Gedenken, Krieg und Feindschaft

Dieser Tag ist gerade für säkulare Israelis der heiligste Tag, wichtiger noch als der Nationalfeiertag – Yom HaAtzma’ut, „Independence Day“. Am Gedenktag davor wird der Gefallenen und der Terroropfer gedacht, jede Kommune hat Gedenkfeiern auf den Friedhöfen, die oft Abteilungen für Gefallene haben. Die Ansprachen auf diesen Gedenkfeiern betonen meistens die Stärke Israels. Zugleich liegt Traurigkeit über dem Land. Härter kannst du nicht einsteigen, noch deutlicher kannst die besondere Schwere des Falles nicht betonen.

Mohammed muss das verstehen, ich gehe nur bis zur Grenze, ich bin die Spitze des mainstream, ich bin seine Verkörperung.

Lizzie Doron: „Sweet Occupation“, S.100

Das Buch erzählt dokumentarisch, und es ist auch dokumentarisch. Die Fakten stimmen, auch was ich selbst über die Lochamim LeShalom – Muqatilien Min Adschil A-Salam („Combatants for Peace“) aus meiner Arbeit weiß. Ich habe viel Neues erfahren aus den persönlichen Schicksalen, das stimmt. Wenn Dokumentationen besonders gut und mutig sind, die schmerzhaften Punkte genau treffen, denke ich immer: Genau das ist es! Wenn es nicht so eingefangen worden wäre, hätte es die Berichterstatterin – oder dann die Autorin – eben erfinden müssen. Beim Lesen dieses Buches ging es mir ständig so.

Biographien und Erinnerung

Erfinden muss die Autorin allerdings nichts. Ihr erstes Buch schrieb Lizzie Doron über ihre Mutter, eine Holocaust-Überlebende, und wurde dafür von Yad VaShem, der staatlichen, israelischen Shoah-Gedenkstätte in Jerusalem, ausgezeichnet.

Lesung auf dem Kultursommer Schleswig-Holstein 2018 auf www.kultur-port.de

Bei „Sweet Occupation“ ist aber etwas anders: Die Jugendzeit der Autorin – und darin ist das Buch autobiographisch – ist verwoben mit den Schicksalen der anderen, Kämpfer auf israelischer Seite und palästinensischer Seite – darin ist das Buch eine Sammlung von Biographien. Die tragische Verbindung aller entsteht durch den Konflikt. Die Erfahrung von Gewalt ist allen gemeinsam. Auch die Autorin steckt selbst in dieser Tragik drin.

Ich muss jetzt hier ein Geständnis ablegen: Ich habe vor-geblättert. Es war einfach zu spannend! Für mich war auf den ersten Seiten bald klar, dass es hier um Unmögliches geht. Eine israelische Frau, im israelischen säkularen Schulsystem groß geworden, trifft palästinensische Freiheitskämpfer? Dieses Schulsystem betont die nationalen Rechte des jüdischen Volkes, aber auch die absolut gesetzte Notwendigkeit, das Vaterland mit Gewalt zu verteidigen. Gleich nach der Schule legen die Schüler, und Schülerinnen, den Schwur ab, den Staat Israel zu verteidigen.

Was ist mutig?

Israelische Soldaten sind Helden, palästinensische Kämpfer können in diesem Weltbild nur Terroristen sein. Es ist unmöglich, dass eine israelische Bürgerin einen von der anderen Seite trifft, von dem sie weiß, er hat Gewalt gegen ihr Volk ausgeübt. Diese Begegnung, dieses Zuhören darf nicht sein. Diese Begegnung braucht Mut. Und genau das macht die Autorin deutlich.

„Was tut dir leid? Hör doch erst mal zu. Ihr habt keine Geduld zum Zuhören, ihr kommt sofort zu Einsichten, und dann tut euch etwas leid, was euch nicht leid zu tun braucht.“

Mohammed, in: Lizzie Doron, „Sweet Occupation“, S.38

Alisa ist Teil einer gut funktionierenden Jugendgruppe. Die Jungs und Mädchen ergänzen sich. Sogar in der Kommunikation: Die nachdenklichen, unterbrochenen Sätze werden ergänzt, zu solchen, die vermeintliche Schwäche aufdecken, Fragen ersticken, die gemeinsame Konvention stärken. Dann kommt Emil dazu, der zunächst immer ausgelacht wird. Er ist anders, ruhiger und gelassener. Er sieht die Dinge klarer. Emil, der Polacke genannt wird, hat einen nicht-hebräischen Namen, er kennt europäische Traditionen, Geschichte und Erkenntnisse. Er kommt aus der Diaspora, ist nicht im Land aufgewachsen. Er fragt nach, was wirklich mutig ist. Und Emil wird noch eine wichtige Rolle spielen.

„Ich sah keine Alternative, das war mein Weg, der Weg war der Auftrag der einen Generation an die nächste. Ich meldete mich zu einer Panzereinheit, ich konnte nicht anders.“

Chen, in Lizzie Doron: „Sweet Occupation“, S.87

In der Welt israelischer Konventionen ist Zweifel am Militär ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb habe ich also vorgeblättert, was ich sonst immer vermeiden will, und fast immer auch schaffe. Hier nicht. Vorsicht, Spielverderber! Achtung, Spoiler! Wer nicht wissen will, wie das Buch enden könnte, liest erst den über-nächsten Absatz weiter! Ich blätterte vor und traf genau auf die Schilderung der Erinnerungszeremonie der „Combatants for Peace“ und des Familienforums.

Schmerz und Trauer miteinander teilen

Das Familienforum „Family Forum“ hieß früher „Parents Circle“, dort treffen sich Familien, die Angehörige im Konflikt verloren haben. Ich meine Familien beider Seiten, der Feinde! Das Familienforum versteht sich wie die „Combatants for Peace“ als bi-nationale Bewegung. Da wusste ich: Dieses Buch kann ich weiterlesen, es wird definitiv etwas Unvorstellbares passieren.

Nicht weit von mir, oben auf dem Felsen, saß Emil, in eine topographische Karte vertieft. „Ich suche uns einen anderen Weg hinaus aus diesem Wahnsinn“, sagte er und strich sich das schwarze Haar aus dem Gesicht.

Lizzie Doron: „Sweet Occupation“, S.72

Ansprache des israelischen Schriftstellers David Grossmann in der Gedenkveranstaltung 2018 (auf forumZFD.de)

An der Gedenkveranstaltung konnte ich einmal teilnehmen. Ich war sehr bewegt, ich glaube wie alle, die dabei sein dürfen. Vier persönliche Ansprachen, Geschichten von Verlust, Schmerz, Trauer und Veränderung werden miteinander geteilt. Alles geschieht in den beiden Sprachen, Hebräisch und Arabisch. Zuhören, Mitfühlen und Schmerz aushalten ist zentral in dieser Gedenkveranstaltung. Die Moderation 2015 berührte mich schon allein deswegen, weil der palästinensische Friedens­kämpfer Hebräisch sprach, die israelische Friedenskämpferin Arabisch. Er, Jamil, hatte seinen kleinen Bruder durch Gewalt verloren.

Die Seite der „Combatants for Peace“ (Englisch)

„Meine Mutter … bat mich, mein eigener Gott zu sein, mein eigener General, mein eigener Ministerpräsident, ich solle selbst entscheiden, wofür ich zu sterben bereit sei, falls überhaupt.“

Jamil, in Lizzie Doron, „Sweet Occuaption“, S.140

Diese Gedenk­veranstaltung „Sharing Sorrow, Bringing Hope“ hat eine zentrale Bedeutung für die Menschen in den beiden Bewegungen gewonnen. Inzwischen wird die Veranstaltung im Internet mit englischen Untertiteln übertragen, Menschen in verschie­denen Ländern treffen sich, schauen gemeinsam.

Hier die Live-Übertragung der Gedenkveranstaltung 2019
in Hebräisch und Arabisch mit englischen Untertiteln

Hier kannst du weiter lesen. Das Ende habe ich zwar nicht verraten, aber ab jetzt bleibe ich allgemein. Die Autorin ist ganz offen darüber, wie das Buch entstanden ist: Sie beschreibt komplett ihre Kommunikation mit den verschiedenen Ex-Combatanten / ehemaligen Kämpfern. Die hatten ihren Erfolg „Who the Fuck is Goethe“ erlebt und gedacht: Hey, die ist offen und mutig genug, etwas über uns zu schreiben. Und erfolgreich natürlich! Doch anfangs kann sie das nicht: Mit Verrätern, also Soldaten, die den Wehrdienst in den Besetzten Gebieten verweigern, kann sie nicht sprechen. Mit Kämpfern von der feindlichen Seite, also Terroristen, kann sie nicht essen. Erst langsam wächst der Mut zur Veränderung.

Ich konnte nachts nicht mehr schlafen, ich quälte mich. Du musst den Dienst verweigern, sagte eine innere Stimme, die mich bedrängte. Aber wie konnte ich meine Kameraden allein an die Front schicken? Was würde mein Vater sagen? Meine Frau? Meine Nachbarn? Du weißt ja, wie wichtig es ist, okay zu sein.

Chen, in Lizzie Doron: „Sweet Occupation“, S. 166

Das Schicksal der Anderen – mutig miteinander gedenken

Die Erinnerungen der ich-Erzählerin, oder der Autorin, sind verwoben mit dem Kennenlernen der Schicksale auf der anderen Seite, Schicksale der palästinensischen Kämpfer, mit den Schicksalen der israelischen Kämpfer, der Soldaten der eigenen Seite in diesem gewaltsamen Konflikt. Die Autorin entwickelt darin das Vor-und-Zurück nicht nur des eigenen Ich, des eigenen Geistes, sondern auch der eigenen Seele. Denn die ist gefangen im Schmerz der Gewalttaten, gegen Freundinnen und Freunde, gegen die ehemaligen Klassenkameraden, die als Soldaten im Kampf verwundet oder getötet wurden.

„Die Gespräche mit ihnen zerstörten die Geschichte, die ich mir selbst erzählt hatte.“

Lizzie Doron, „Sweet Occupation“, Prolog, S.9

Zugleich deckt Lizzie Doron in Rückblicken auf, wo Gewalt, das unbedingte Sich-Durchsetzen in ihrem eigenen Leben Verwundungen zurück gelassen hat. Diese drei Ebenen, die Leben der Kämpfer, der eigene Weg aus Schmerz, Abschottung und Feindbildern, und die Wurzeln der Identität, die Jugendgruppe und die erste Liebe, werden von der Autorin in Beziehung gesetzt, gegenübergestellt und erhellen sich gegenseitig. Das gelingt. Damit gehört das Buch „Sweet Occupation“ zu meinen 7 wichtigsten Büchern aus Israel.

Meine 7 wichtigsten Bücher aus Israel (diese Liste erstelle ich gerade)

Ausführliche Rezension von Professor Heekerens auf socialnet.de

Dass das Buch auf Englisch veröffentlicht wurde, und jetzt auch auf Deutsch – nicht in Israel – ist etwas schockierend. So schwierig ist es im demokratischen Israel geworden, sich außerhalb des nationalen Konsens zu stellen. Dennoch bin ich anders als Professor Heekerens nicht der Meinung, dass das Buch für Menschen mit Lieblingsort „Zwischen den Stühlen“ ist. Auch in Deutschland, wo viele so genau wissen, wer Schuld ist an dem Konflikt im Heiligen Land, ist die Lektüre hilfreich, für alle. Lizzie Doron saß nicht zwischen den Stühlen, sondern war ganz klar ausgerichtet. Richtig: Wandel braucht viel Mut! In diesem Fall, mit diesem Buch, ist es der zweifache Mut: Den Weg der Transformation zu gehen, und diesen Weg der Veränderung für alle zu beschreiben. Du kannst es nachlesen. Im übrigen bin ich überzeugt, dass wir mit aufmerksamen Zuhören weiter kommen.

Bodenhaftung und Herausforderung im Heiligen Land: Die Reise eines Pfarrkonvents nach Bethlehem


Bethlehemer Alltag und Erholung in biblischen Landschaften

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Einladung, über die Reise eines Pfarrkonvents ins Heilige Land mit zu denken. Die Wünsche von Dekanin Renate Weigel waren für konventionelle Anbieter vielleicht etwas ungewöhnlich. Für mich waren sie faszinierend, und sehr nah dran an meinen Vorstellungen von Qualität und Fairness. Die Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern sollte viel Alltag mitbekommen, öffentlichen Personennahverkehr benutzen, und viel zu Fuß unterwegs sein. Hinzu kamen Ausflüge, Wanderungen und erholsame Phasen mit dem Erleben von Landschaften. Ohne Erholung wird das Erleben der Realität schwierig. Die Aufnahme von Eindrücken ist eingeschränkt.

Herausforderungen an Christinnen und Christen aus Europa

Authentische Begegnungen, sowohl unterwegs als auch geplant, verbinden wir mit Besuchen bei Nichtregierungsorganisationen und einheimischen Kirchengemeinden. Neben den geplanten, von Seiten der Reisenden auch vorbereiteten Begegnungen treffen wir immer wieder Menschen. Unser Blick ist nicht das Fenster des klimatisierten Reisebusses, sondern von Angesicht zu Angesicht, direkt, mit Kontext drumherum. Genau das wollten die Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Dekanat Nassauer Land der EKHN, die sich für die Reise anmeldeten. Möchten Sie auch eine Reise mit diesen Merkmalen durchführen, wenden Sie sich bitte über das Kontaktformular bei mir.

Reiseleitung durch Einheimische ist anspruchsvoll und kann zu ehrlichem Dialog führen

Niemand muss mich überreden, eine Reise zu leiten. Zum einen habe ich das schon getan, zum anderen macht es mir große Freude. Allerdings muss mich jemand überreden, meine Prinzipien einer fairen Reise einzuschränken. Doch das fällt mir als ehemaliger Ausbilder und Dozent für Reiseleiter sehr schwer. Denn wie kann ich von einheimischen Reiseleitern verlangen, dass sie hohe Qualität abliefern, wenn alles super-billig, inhaltlich „angepasst“ und immer in der Komfortzone bleiben soll. Und ganz ehrlich: Inhaltlich „angepasste“ Reisen bedeutet, einheimische Reiseleiter zu zensieren. Das kommt für mich nicht in Frage. Aber fragen ist mir wichtig! Und solange respektvoll und mit Bezug zu Realität, Leben und Zukunft gefragt wird, sind die Dialoge dazu auch ehrlich und sinnvoll.

Vorurteile und Stereotype überprüfen

Grundsätzlich begleite und moderiere ich eine Reise, gemeinsam mit einer einheimischen Reiseleiterin, oder einem Reiseleiter. So erreicht die Reise eine hohe Qualität in ihren Erlebnissen. Dabei bin ich verantwortlich für die Reflexion, kulturelle Übersetzungsfragen und erholsame Erfahrungen. Denn im Verlauf der Reise müssen sich Intensität und Entspannung sinnvoll ergänzen und abwechseln.

Diese Wechsel von intensiven Erleben einerseits und Erholung andererseits sind um wichtiger, als die wir auf dieser Reise auch Denkgewohnheiten in Frage stellen wollen, und uns damit aus der Sicherheit des gewohnten Denkens und Beurteilens begeben. Manche meinen, das ist automatisch der Fall, wenn wir auf Reisen gehen. Ich fürchte, die allermeisten Reisen funktionieren anders: Vorurteile werden bestätigt, Stereotype verstärkt. Doch dazu an anderer Stelle.

Ein Reiseprogramm, in dem das Erleben an erster Stelle steht

Bleibt noch die Reiseorganisation. Die lag in den Händen des Dekanats, Anreise einschließlich Flug wurden dort geplant und durchgeführt. Das Angebot, das mein Partner in Bethlehem und ich hier vorstellen, beginnt mit der Ankunft am Flughafen in Tel Aviv–Jaffa und endet auch dort. Umgekehrt konnten mein einheimischer Kollege und ich die Reise vor Ort gut planen: Begegnungen auf Erlebnisse abstimmen, Erholung auf Herausforderungen abstimmen und – ganz wichtig – für ein faires Einkommen vor Ort sorgen. Das alles können wir verbinden! Die überragende Faszination, die vom Heiligen Land, von Israel und von Palästina ausgeht, verleitet viele Anbieter, Unternehmen, Veranstalter und Organisatoren dazu, Orte und Stätten als vermeintliche Höhepunkte aneinander zu reihen. Solche Programme führen nicht zu einem abgestimmten, aufeinander aufbauenden Erleben!

Reisedramaturgie: Erlebnisse der Reisenden bauen aufeinander auf

Die Reisedramaturgie, wie ich es manchmal nenne, berücksichtigt weniger die Liste der zu besuchenden heiligen Stätten – beinahe hätte ich heilige Steine geschrieben! Ja, die Stätten gehören dazu, und das eine oder andere Mal haben wir uns als Gruppe auch ganz bescheiden und aufmerksam in den Strom der Pilgerinnen und Pilger eingereiht. Das geht an den von allen besuchten Heiligtümern gar nicht anders. Allerdings haben wir auch die einheimischen, weniger vom Strom der Pilgerinnen besuchten Heiligtümer auf unserem Weg als spirituellen Anstoß genutzt. Ebenso die Landschaften – die hier ganz unterschiedlich aussehen und wirken – waren auf dieser Reise voller Anregungen zum Erleben, Nachdenken und zu Gesprächen. So durchlebt die Gruppe auch Phasen vom Kennenlernen, über Vertiefen, über Entspannen, über Herausforderung, zum Wahrnehmen, zum Verstehen, und zur Veränderung.

Der Genuss: Echtes, gutes einheimisches Essen

Das echte Essen ist in vielen Reisen eher Zufall. In den Hotels wird oft Massenware, oder preiswertes Essen, oder das Essen serviert, von dem die Manager annehmen, dass es den Reisenden bekannt ist. Und das, obwohl das Essen in Bethlehem, in Palästina ein besonders schmackhaftes Essen ist! Das echte einheimische Essen, das die Mütter kochen, gibt es nur, wenn du danach suchst – weil es aufwendig zubereitet wird. Das hieß auf dieser Reise: Keine Halbpension, sondern in den historischen Vierteln die Restaurants zu aktivieren, oder Essen vorzubestellen, oder ein Essen in einer Familie zu organisieren! Und gar nicht nebenbei, sondern als echter Effekt war es so möglich, ein faires Einkommen vor Ort zu erzielen.

Das Programm: Reisetage mit Schwerpunkten

Die Gruppe erreichte Bethlehem noch vor Einbruch der Dunkelheit, und so bestand die Möglichkeit einer ersten Orientierung in den historischen Vierteln. Insofern war die Unterkunft im historischen Kern der kleinen Stadt natürlich ideal. Hier kommt jeder Reisende an, kann zu Fuß in der Nähe interessante Stätten erreichen, sich versorgen oder auch anregen lassen. Freie Zeit ist also vielseitig nutzbar. Am ersten vollen Tag folgt die behutsame Einführung in die Realität des Alltags, eine Art Grundkurs, der im besten Fall die Reisenden auch etwas sicherer und unabhängiger macht.

Am zweiten vollen Tag war Erholung, Landschaft, Sonne, Wärme, Bodenhaftung, ganz viel unmittelbar Erlebbares wichtig. Am dritten Tag wieder Landschaft, am vierten Besuche bei kirchlichen Einrichtungen und / oder einer Bildungsinstitution, Begegnungen und freie Zeit. Außerdem bot Jerusalem zum Abschluss noch viele Möglichkeiten, Pilgerstätten, freie Zeit und besondere Begegnungen. Mehr verrate ich hier nicht!

Ohne Reflexion ergeben sich wenig Zusammenhänge

Auf manchen Reisen gehört es schon dazu, einmal am Tag Zeit zum Austauschen, zum Fragen und zum Reflektieren. Didaktisch angeleitet ergeben sich hier viele Chancen. Zum Beispiel gilt es oft, Wahrnehmungen mit Hintergrund zu versehen. Das ist meine Aufgabe, dabei zu moderieren, aber auch Fragen zu beantworten. Die Information zu kulturellen Hintergründen kann Wahrnehmung sinnvoll ergänzen oder Stereotype korrigieren. Was die anderen wahrnehmen oder verstanden haben, kann für die Reflexion jedeR Einzelnen und Entwicklung der Gruppe sehr hilfreich sein.

Vom Erleben zu Veränderung

Auch der Austausch dazu, was Reisende, zurück zu Hause, anders machen werden, wofür sie sich einsetzen werden oder was sie besonders bedenken werden bei ihrer Arbeit, bereichert ungemein. Reisende wollen Neues kennen lernen, Anregungen erhalten und gerade als Theologinnen und Theologen ihre Arbeit durch Erfahrungen, Ideen und Erkenntnisse stärken. Ich bin selbst Theologe, kenne auch den Pfarrer-Alltag und habe meine persönlichen Erfahrungen im Heiligen Land immer auch mit Texten und Botschaften der Bibel in Verbindung gebracht. Diesen Reichtum teile ich gerne!

Wann ist die nächste Reise?

Dann, wenn Sie die Reise bestellen. Ich plane zur Zeit mit dem 13. bis 30.November 2019. Alle Theologinnen und Theologen, Interessierte aus dem kirchlichen Zusammenhang und der Ökumene sind herzlich willkommen. Setzen Sie sich bitte über das Kontaktformular mit mir in Verbindung, dann erfahren Sie die Details. Überlegen Sie, ob Sie intensives Erleben, Slow-travel, und Bodenhaftung in ihrer Reise drin haben wollen. Ob Sie möglichst fair, authentisch und auch mal abseits vom Bekannten reisen wollen. Fragen Sie mich, fragen Sie Andreas Kuntz. Nochmal herzlich willkommen!

Ziviler Friedensdienst: Einführung in Alternativen zum Militär

Erfahrungen in Israel und Palästina

Zwischen 2009 und 2016 habe ich in den Rollen des Projektmanagers, des Beraters oder Trainers viele gute Erfahrungen gesammelt. Zugleich begegnete ich vielen Herausforderungen: Arbeiten in einer Gewaltstruktur, Verständigen in einer Atmosphäre der Angst und Umgehen mit dem Zwang zur Feindschaft. Da war es wichtig, nach Zeichen der Hoffnung zu suchen, neue Mittel zu erproben und Vertrauen aufzubauen.

Dazu habe ich eine interaktive Präsentation erarbeitet. Da geschieht mehr als das, was früher auch Vortrag mit Diskussion hieß. Denn in kurzen Übungen soll erlebbar werden, was Konflikt und was Konflikte bearbeiten heißen kann. Konflikte sind notwendig, deshalb scheuen wir keine Konflikte. Wichtig ist, wie wir an Konflikte herangehen. Was haben wir vor, und welche Methoden haben wir zu Hand?

Wie geht professionelle und zivile Konfliktbearbeitung?

Es gibt sie, die anderen Möglichkeiten jenseits der Sicherheitslogik. Erfahrungen damit gibt es auch schon. Ich hoffe, diese Präsentation kann auch in Deutschland dazu beitragen, mit Zuversicht an die schwierigen Herausforderungen vor Ort heranzugehen. Zum anderen kann die Arbeit der Aktiven in Israel und in Palästina eine Inspiration sein. Insbesondere ein Anstoß zu hinterfragen, ob in Deutschland der Konflikt ungewollt wiederholt wird.

Verantwortlich reisen und Frieden fördern: Beratung von einem unabhängigen Experten

Ideen und Tipps zu friedfertigem Reisen ins Heilige Land – Israel und Palästina

Sie wollen ins Heilige Land reisen und Frieden fördern? Wie geht das? Da gibt es die einfache Formel, auf beiden Seiten des Konflikts sein Geld auszugeben. Das soll irgendwie „gerecht“ oder zumindest ausgewogen wirken. Doch viele Reisen wirken hastig, die Erklärungen oberflächlich und authentische Erfahrungen müssen sich Reisende in der freien Zeit selbst verschaffen, wenn es denn Zeit „zur freien Verfügung“ gibt. Eine einfache Formel gibt es nicht.

Seit 1991 habe ich Reisen nach Israel und Palästina in unterschiedlichen Rollen begleitet. Dabei habe ich viele Erfahrungen dazu gesammelt, wie das Reiseerlebnis gestaltet werden kann. Es ist möglich, Vorurteile abzubauen und Neues zu lernen. Im Jahr 1997 ergab sich eine Gelegenheit, an der Ausbildung von Reiseleitern mitzuwirken. Daher kenne ich die besonderen Herausforderungen für diese Rolle auch in der Praxis vor Ort. Nach 2005 habe ich für Anbieter der Erwachsenenbildung Reisen gestaltet, die Lernprozesse bewusst einbeziehen.

Konflikt-sensibel bedeutet mehr als nur Ausgewogenheit.

Im Rahmen meiner Arbeit als Friedens- und Konfliktberater (im Zivilen Friedensdienst) für Diskurs- und Dialogkultur an der Fachhochschule Dar Al-Kalima in Bethlehem seit 2009 habe ich mich mit grundlegenden Fragen von Reisen in Konfliktgebieten beschäftigt. Wie kann die Reise gelingen, die Kommunikation mit den Einheimischen, die Motivation der Reisenden für den Frieden? Darf Pilgern in einer Blase stattfinden?

Insbesondere die Erzählungen über Geschichte und Gegenwart spielen eine wichtige Rolle. Ja, es ist möglich, konflikt-sensibel zu reisen – das benötigt allerdings eine gute Planung, klare Ziele und eine gute Methodik vor Ort. Konflikt-sensibel bedeutet mehr als nur Ausgewogenheit. Friedfertig reisen heißt eine hohe Achtsamkeit für viele Aspekte der Reise. Fragen Sie mich, fragen Sie Andreas Kuntz. Im übrigen bin ich überzeugt, dass wir mit aufmerksamen Zuhören weiter kommen.